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Der Klimawandel geht an die Substanz”

5. April 2009 - Wissen, Klima

pierin_vincenz_140x140Raiffeisen-CEO Pie­rin Vin­cenz erläu­tert, wieso sich sein Unter­neh­men in der Kli­ma­s­tif­tung Schweiz enga­giert und was bei der Debatte über die Strom­preise falsch läuft. (br)

Herr Vin­cenz, warum enga­giert sich Raiff­ei­sen als Grün­dungs­mit­glied bei der so genann­ten Kli­ma­s­tif­tung Schweiz?
Pie­rin Vin­cenz:
Das Thema Nach­hal­tig­keit ist für uns sehr wich­tig und dazu gehört auch die Frage des Kli­mas. Als Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men kön­nen wir aller­dings kei­nen mass­geb­li­chen Bei­trag zum Kli­ma­schutz leis­ten, indem wir die Pro­duk­ti­ons­pro­zesse opti­mie­ren. Des­halb waren wir der Mei­nung, dass die Kli­ma­s­tif­tung zu Raiff­ei­sen pas­sen würde.

Was ist die Idee der Kli­ma­s­tif­tung?
Die finan­zi­el­len Rück­flüsse aus der CO2-Abgabe, wel­che viele Unter­neh­men erhal­ten, sol­len voll­stän­dig zur Ver­bes­se­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz und zum Kli­ma­schutz bei Schwei­zer KMU ein­ge­setzt wer­den. Raiff­ei­sen hat ja einen ver­gleichs­weise tie­fen Ener­gie­ver­brauch bei hoher Lohn­summe, und des­halb bekom­men wir eini­ges an Geld zurück.

Anders gesagt: Sie wer­den beschenkt, legen aber gar kei­nen Wert dar­auf.
Wir sind tat­säch­lich über­rascht wor­den. Als die gesetz­li­chen Grund­la­gen erar­bei­tet wur­den, haben wir nicht erwar­tet, sel­ber zum Pro­fi­teur einer sol­chen Rege­lung zu wer­den. Das soll nicht heis­sen, dass das Kli­ma­kon­zept der Schweiz falsch wäre. Es ist sinn­voll, neue Tech­no­lo­gien im Bereich der Ener­gie­ef­fi­zi­enz zu unter­stüt­zen und in die­sem Bereich Know-how auf­zu­bauen. Das ist für die gesamte Schwei­zer Wirt­schaft inter­es­sant, weil so neue Geschäfts­fel­der ent­ste­hen und zusätz­li­che Arbeits­plätze geschaf­fen wer­den können.

Wie bedroh­lich fin­den Sie per­sön­lich den Kli­ma­wan­del?
Es wird viel dar­über dis­ku­tiert, wie dra­ma­tisch die Lage wirk­lich ist. Doch unab­hän­gig davon, wie schnell und wie inten­siv der Kli­ma­wan­del auf uns zukommt: Es ist ein Thema, das der Mensch­heit an die Sub­stanz geht. Der mög­li­che Scha­den für die Welt ist so gross, dass wir zum Han­deln gezwun­gen sind.

Kann man dabei ganz auf neue Tech­no­lo­gien set­zen, oder muss jeder Ein­zelne sein Ver­hal­ten ändern?
Tech­no­lo­gie ist ein Mit­tel, doch zwei­fel­los müs­sen wir alle unse­ren Umgang mit Ener­gie über­den­ken. Es ist Kopf­sa­che, sich auf die neuen Gege­ben­hei­ten ein­zu­stel­len und das eigene Ver­hal­ten zu ändern. Jeder von uns, ich nehme mich da nicht aus, braucht dazu immer wie­der einen Anstoss.

Haben Sie per­sön­lich Ihr Ver­hal­ten in den letz­ten Jah­ren ange­passt?
Ich bin sen­si­bi­li­siert für die­ses Thema, aber im All­tag weit weg von Voll­kom­men­heit.
Mein Ver­hal­ten im Bezug aufs Auto­fah­ren zum Bei­spiel kann man nicht als vor­bild­lich bezeichnen.

Wel­chen Bei­trag kann Raiff­ei­sen leis­ten?
Jedes Unter­neh­men hat seine spe­zi­fi­sche Aus­rich­tung. Wir kön­nen zum Bei­spiel im Gebäu­de­sek­tor eini­ges tun, denn wir inves­tie­ren da pro Jahr etwa 100 Mio. Fran­ken. Bei grös­se­ren Gebäu­den und wo es mög­lich ist set­zen wir kon­se­quent auf Minergie-Standard. Wär­me­rück­ge­win­nung und Regen­was­ser­nut­zung sind für uns eben­falls wich­tige The­men. Zur Nach­hal­tig­keit trägt auch unser dich­tes Netz in den Regio­nen mit 1150 Bank­stel­len bei. Jede dritte Bank­stelle in der Schweiz gehört zu Raiff­ei­sen. Dadurch redu­zie­ren sich Rei­se­zei­ten von Kun­den und Mitarbeitern.

Raiff­ei­sen betont diese lokale Ver­an­ke­rung als Grund­lage nach­hal­ti­gen, res­sour­cen­scho­nen­den Wirt­schaf­tens. Ist das ein Plä­do­yer gegen die Glo­ba­li­sie­rung?
Nein. Es gibt immer eine lokale und eine glo­bale Dimen­sion. Beim Geschäfts­mo­dell von Raiff­ei­sen ist die regio­nale Ver­an­ke­rung zen­tral. Wir möch­ten prä­sent sein in den Regio­nen und zum Leben der Men­schen dazu­ge­hö­ren. Aber wenn es um die Refi­nan­zie­rung oder den Risi­ko­aus­tausch geht, sind wir auf den inter­na­tio­na­len Finanz­märk­ten tätig. Beim Kli­ma­schutz ist das nicht anders: Jeder Ein­zelne von uns muss lokal han­deln, doch wenn es um For­schung und Ent­wick­lung geht, braucht es die glo­bale Sicht. Das Klima ist ja keine lokale Erscheinung.

Sehen Sie es als Ihre Auf­gabe an, auch Ihre Kun­den für Fra­gen der Nach­hal­tig­keit zu sen­si­bi­li­sie­ren? Sind Ange­bote wie die Minergie-Hypothek unter die­sem Blick­win­kel zu sehen?
Ja. Bei der Bera­tung der Kun­den ver­su­chen wir, das Thema Nach­hal­tig­keit anzu­spre­chen. Dabei kann es um den Abschluss einer Minergie-Hypothek gehen oder um Anla­gen in Nach­hal­tig­keits­fonds. Die Ban­ken soll­ten hier in Zukunft noch mehr tun.

Die Strom­preise und die Strom­ver­sor­gung haben in letz­ter Zeit Schlag­zei­len gemacht. Hat Sie das über­rascht?
Das habe ich so nicht erwar­tet. Ich dachte, mit der Vor­be­rei­tung der kom­men­den Libe­ra­li­sie­rungs­schritte beim Strom sei der Weg für die nächs­ten Jahre geeb­net. Ich finde, dass die aktu­elle Dis­kus­sion über die Strom­preise in wei­ten Tei­len falsch geführt wird.

Inwie­fern falsch?
Es wird so getan, als seien Preis­er­hö­hun­gen aus­schliess­lich eine Folge der Libe­ra­li­sie­rung. Es ist zwar mög­lich, dass die Ener­gie­un­ter­neh­men ange­sichts der Markt­öff­nung über­aus vor­sich­tig kal­ku­lie­ren und pla­nen. Trotz­dem hängt die Ent­wick­lung der Strom­preise stark mit der all­ge­mei­nen Wirt­schafts­lage zusam­men. Wir kom­men aus einer Phase mit hohem Wachs­tum und stän­dig stei­gen­den Roh­stoff­prei­sen. Ich glaube nicht, dass die gesetz­li­chen Grund­la­gen für die Markt­öff­nung in die fal­sche Rich­tung füh­ren. Es wäre aber hilf­reich, wenn die Strom­bran­che jetzt klare Zei­chen setzt und auf­zeigt, worin der Nut­zen der Libe­ra­li­sie­rung besteht.

Als Bank ist Raiff­ei­sen auf eine sichere Strom­ver­sor­gung ange­wie­sen. Berei­ten Ihnen mög­li­che Eng­pässe Sor­gen?
Mit Blick auf die Wachs­tums­märkte in der Welt ist es klar, dass die Ener­gi­e­nach­frage wei­ter stei­gen wird. Des­halb dür­fen wir uns kei­ner Form der Ener­gie­pro­duk­tion ver­schlies­sen. Es ist wich­tig, in erneu­er­bare Ener­gien zu inves­tie­ren. Kurz­fris­tig jedoch wer­den wir auf die nicht erneu­er­ba­ren Ener­gien eben­falls ange­wie­sen sein, und dazu gehört die Atom­kraft. Ich hoffe nur, dass die Dis­kus­sion um die Strom­preise nicht kon­tra­pro­duk­tiv sein wird für die Ent­schei­dun­gen über Inves­ti­tio­nen in Pro­duk­ti­ons­an­la­gen. Wenn wir unser Strom­an­ge­bot mit­tel­fris­tig nicht erhö­hen, wer­den die Preise viel dra­ma­ti­scher stei­gen, als wir das jetzt erle­ben. (pcr)

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5 Kommentare


  1. TINA schrieb:

    Japan bekämpft Kli­ma­wan­del mit neuen AKW der Zukunft!

  2. Brennstoffzelle schrieb:

    Sag mal TINA, wieso setzt Du Dich so sehr für AKWs ein?
    1. Uran­ab­bau ver­stösst gegen Men­schen­rechte:
    70% der Abbau­fel­der sind auf Böden von indi­ge­nen Völ­kern und der Abbau wird auch haupt­säch­lich durch sie ohne Schutz­klei­dung gemacht.
    2. Die Uran­ent­sor­gung ist nicht geklärt!
    3. Die AKW Sicher­heit ist nicht gewähr­leis­tet.
    4. Uran ist keine erneu­er­bare Ener­gie.
    5. Der Uran­ab­bau ist nicht CO2 frei und des­halb kann auch AKWs nicht als CO2 frei bezeich­net wer­den!
    6. Die Gesell­schaft unter­stützt AKWs nicht: ST.Gallen, Basel und Zürich sind schon aus­ge­stie­gen.
    Jetzt müs­sen wir nur noch 2012 gesamt­schwei­ze­risch aussteigen.

  3. Gummizelle schrieb:

    1. Uran kann pro­blem­los indi­gen und sau­ber abge­baut wer­den.
    2. Das spalt­bare Uran kann in Leicht­was­ser­re­ak­to­ren ent­sorgt wer­den, für U 235 brau­chen
    wir Schnelle Brü­ter.
    3. Die Sicher­heit von Kern­kraft­wer­ken wird über­acht.
    4. Dank Schnel­len Brü­tern gel­ten Uran und Tho­rium als prak­tisch uner­schöpf­li­che Ener­gie–
    quelle für die nächs­ten Jahr­hun­derte.
    5. Uran macht 1 % der Strom­kos­ten aus. Mit weni­gen Rap­pen pro 1000 Kilo­watt­stun­den
    kann nun ein­mal kaum CO2 pro­du­ziert wer­den!
    6. Es sind nur einige Poli­ti­ker und Que­ru­lan­ten, wel­che auf die Kern­en­er­gie ver­zich­ten wol­len.
    7. Daher müs­sen wir gesamt­schwei­ze­risch aus rot­grün aus­stei­gen, wie ges­tern die
    Deut­schen!!!!!
    8. Sub­ven­tio­nen für Alter­na­tiv­en­er­gien und Rand­grup­pen­ver­hät­sche­lung sind zu streichen!

  4. Markus Alder schrieb:

    Es ist den Medien über die Jahr­zehnte gelun­gen, Begriffe wie “Atom”, “Radio­ak­ti­vi­tät” und “Kern­en­er­gie” nega­tiv zu beset­zen, wäh­rend gleich­zei­tig “Alter­na­tiv­en­er­gien” und “Inte­gra­tion” zu All­heil­mit­teln hoch­sti­li­siert wor­den sind, die nicht hin­ter­fragt oder gar kri­ti­siert wer­den dür­fen.
    Auf­klä­rung und offene Dis­kus­sion sind nötig!

    Brecht die Tabus der Lin­ken!
    Unter den San­da­len steckt der Schmutz von 30 Jahren!

  5. Richtig rum schrieb:

    Wir dür­fen uns von den Lin­ken nichts auf­zwin­gen las­sen, viel­mehr müs­sen wir uns verteidigen.


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