Umweltschutz und Naturnutzung sind kein Gegensatz
Dr. Hubertine Underberg-Ruder ist Biologin und Verwaltungsratspräsidentin der Underberg AG Schweiz. Sie spricht über den Begriff Nachhaltigkeit in einer immer komplexer werdenden Welt, ihr Engagement im Axpo Nachhaltigkeitsbeirat und die Grundlagen für einen glaubwürdigen Dialog.
Winston Churchill wird folgendes Zitat zugeschrieben: «Man soll die Dinge so weit wie möglich vereinfachen … aber nicht weiter.»
Diese Leitlinie hat sicher nicht an Aktualität verloren, im Gegenteil! Unsere Welt wird immer komplexer. Im Spannungsfeld vom Zwang zur Vereinfachung einerseits und von komplexeren Ausgangslagen andererseits finden heute die wesentlichen Debatten statt.
Auf Initiative von Konzernleitung und Verwaltungsrat wurde der Axpo Nachhaltigkeitsbeirat geschaffen, der für diese beiden Gremien als Ideengeber fungieren soll. Das Gremium widmet sich dem Diskurs in den Themenbereichen der Nachhaltigkeit. Dieser Diskurs findet einerseits unter den Mitgliedern des Beirats statt, andererseits mit den Funktionsträgern der Axpo. Es geht darum, Fragen zu stellen, Aussagen zu hinterfragen und auf Basis der von Axpo gegebenen Antworten Anregungen für die Zukunft zu formulieren.
Zur Mitarbeit im Axpo Nachhaltigkeitsbeirat habe ich mich gerne bereit erklärt. Zunächst einmal aus Freude am Diskurs, besonders wenn die Fragestellungen versprechen, spannend und herausfordernd zu sein. Meine Motivation darüber hinaus leitet sich aus meinem Verständnis von Nachhaltigkeit ab.
Was meint Nachhaltigkeit? Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft: Der Wald muss so behandelt werden, dass immer wieder ein solcher Wald wachsen wird. Heute spricht man meist von den drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Soziales und Ökologie.
Die ökonomische Säule wird in der Regel durch standardisierte Kennzahlen transparent gemacht: in der Rückschau zum Beispiel im Geschäftsbericht sowie in der Vorschau im Budget und in Drei-/Fünfjahresplanungen. Die Umsetzung, besonders von langfristigen Zielen, ist natürlich äusserst anspruchsvoll. Als Unternehmerin bestimmt diese Umsetzung meinen beruflichen Alltag in einem mittelständischen Familienunternehmen. Pragmatisches Problemlösen gehört dazu, ebenso wie die tägliche Verantwortung im Umgang mit Alkohol. In Analyse der aktuellen Wirtschaftskrise muss festgestellt werden, dass zu kurzfristiges Denken und somit der Verstoss gegen die Prinzipien der Nachhaltigkeit sicher ein Auslöser der Krise waren.
Die soziokulturelle Säule ist nicht zufällig die mittlere Säule. Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen. Dies gilt es ernst zu nehmen. Die Rolle nach innen, als Arbeitgeber für die Mitarbeiter (Fortbildung, Vereinbarkeit Beruf und Familie etc.), muss ebenso wahrgenommen werden wie die Rolle in die Gesellschaft hinein. Neben der Verantwortung für die Beziehung zum Kunden soll auch der Bürger ernst genommen werden. Als Mutter von vier Kindern bemühe ich mich, kirchliches und gesellschaftliches Engagement als aktives Bürgertum vorzuleben.
Die ökologische Säule liegt mir als Biologin besonders am Herzen. Nicht erst seit der Umweltkonferenz von Addis Abeba im Jahr 2004 gilt der Gegensatz von Umweltschutz und Naturnutzung als überholt. Heute spricht man von Schutz durch nachhaltige Nutzung. Das erfordert genaues Hinsehen und inhaltliche Auseinandersetzung. Ausserdem müssen alte Feindbilder – zum Beispiel die «bösen» Nutzer – neu bewertet werden.
Wie kann ein glaubwürdiger Dialog gelingen? Sicher bedarf es der klaren Trennung von Fakten und deren Bewertung. Darüber hinaus muss Verständnis bei allen Beteiligten ermöglicht werden. Anerkannte Standards und Normen sind hilfreich, da sie Verbindlichkeit und Konkretisierung erzeugen.


10. August 2009 um 23:08
Underberg ist gut!
Aber wie ist das mit der Steuergerechtigkeit?
In der EU Geld verdienen und in der Schweiz Steuern sparen?
11. August 2009 um 20:31
Die steuersparende Familie Underberg spekuliert in der Schweiz und trägt so zu höheren Mieten bei und entzieht dem deutschen Staat Steuererträge. Die Schweiz ist erzkapitalistisch!
So ist es auch mit der Elektrizitätsmarktliberalisierung. Es geht nur um das Geld, um höhere Strompreise, die unendlich Profit bringen!
Sauerei!
8. September 2009 um 23:11
Baut besser neue Kernkraftwerke, statt solche weltfremden Gedanken weiterzuverfolgen.
3. Oktober 2009 um 22:16
Schuster(in), bleib bei deinem Leisten (sprich Schnaps)
5. Oktober 2009 um 20:25
Interessant, diese Reaktionen über ein unverbindliches, gutklingendes und unwiderlegbares Bekenntnis zur modischen Nachhaltigkeit in allen Bereichen.
Die Frau Underberg meint es doch nur gut mit der Menschheit.
Leider nützen die schönen Worte wenig, wenn Probleme nicht beim Namen genannt werden.
Ich meine, es gilt, einen gesunden Mittelweg zwischen dem bürgerlichen Wachstumswahn und dem Steinzeitkommunismus der Rotgrünen zu finden. Damit sind aber Konflikte mit beiden Extremen programmiert.
Die Axpo muss für neue Kernkraftwerke einstehen, schliesslich ist die sichere Stromversorgung ihr Geschäft und die “Abstimmung an der Steckdose” ihre Aufgabe.
In der Bevölkerung müssen aber auch die Folgen der “Wachstumspolitik” mit Masseneinwanderung und der Verbetonierung ganzer Lsndstriche diskutiert werden.
1. Januar 2010 um 14:36
„Nachhaltig“ können wir unsere Lebensweise genau dann nennen, wenn sie mit der längst möglichen Dauer von höherem Leben auf unserer Erde vereinbar ist. Gemäss den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen müssen wir uns auf unserem Planet so verhalten, dass nicht nur die Energieversorgung sondern auch generell die Nutzung von Rohstoffen und die von unseren Pflanzen geforderte minimale CO2-Konzentration in der Atmosphäre gewährleistet ist. Ob die Ausdehnung und Erhitzung der Sonne oder das Absinken der CO2-Konzentration in der Atmosphäre unter die kritische Grenze von 10 ppm (C4-Planzen) das irdische höhere Leben begrenzen werden, steht heute noch nicht fest. In beiden Fällen kann die Erde noch mehrere hundert Mio Jahre höheres Leben ermöglichen.
Unsere Gedanken zu nachhaltigem Leben sind heute noch stümperhaft. Weder unsere zukünftige Energieversorgung noch die relativ kurze Episode (wenige hundert Jahre) mit dem von uns hervorgerufenen CO2-Anstieg in der Atmosphäre auf bald über 400 ppm können wir auch nur einigermassen in ihrer Bedeutung abschätzen. Ein selbständiger Wissenschaftszweig über nachhaltiges Leben wäre vielleicht sinnvoll.
Hier zwei Beispiele für nachhaltiges Leben:
Die Nutzung von Biomasse für die Energieversorgung muss mit dem langfristigen Nachwachsen von Pflanzen vereinbar sein und darf unsere Versorgung mit Lebensmitteln nicht konkurrenzieren. Berücksichtigt man auch die nicht kommerziell genutzte Biomasse, dürften weltweit ca. 11% der Primärenergie aus Biomasse stammen. In der Schweiz ist dieser Anteil nur ungefähr halb so gross und sollte noch fast verdoppelt werden. In anderen Gebieten der Erde ist die Nutzung der Biomasse nicht nachhaltig. Die übermässige Nutzung ist dort schon bald nicht mehr möglich.
Kernkraftwerke sind nachhaltig, sobald ihre Weiterentwicklung folgende Kriterien erfüllt: Die Sicherheit muss so hoch sein, dass keine unzumutbaren Risiken mit der Verstrahlung von grossen Gebieten besteht. Die auftretende Radioaktivität darf nur noch entweder schwach sein oder muss bei kontrollierter Lagerung nach einer überblickbaren Zeit verschwinden. Der Brennstoff muss in unerschöpflich grosser Menge vorhanden und die Energiekosten müssen tragbar sein. Ob diese Kriterien erfüllbar sind, steht heute noch nicht fest. Die momentan stattfindende Forschung und Entwicklung im Bereich der Reaktortechnik wird in den kommenden Jahrzehnten Klarheit bringen. Wer sich wie ich intensiv mit der Materie befasst, sieht gute Chancen für eine nachhaltige Nutzung der Kernenergie. Zukünftige Kernkraftwerke werden voraussichtlich die genannten Kriterien erfüllen und nachhaltig einen grossen Teil der Energie liefern können, welche die Menschheit je benötigt. Kernkraftwerke werden in Ballungs- und insbesondere in Industriezentren voraussichtlich eine ideale Ergänzung zur Nutzung der erneuerbaren Energien sein. Es wäre absurd, mit den völlig falschen Feststellungen zu argumentieren, die Nutzung von Kernenergie sei grundsätzlich an das Vorkommen von Uran gebunden und somit mengenmässig beschränkt, das Restrisiko eines Kernkraftwerks sei auch in Zukunft nicht zu verantworten und die Halbwertszeit von „Atommüll“ betrage zwangsläufig mehrere zehntausend Jahre.
Und hier noch das uns allen bekannte Beispiel für nicht nachhaltiges Leben:
Die Nutzung von fossilen Brennstoffen hat ihren Zenith bereits überschritten. In einigen hundert Jahren wird man nur noch den Kopf schütteln, wenn man lesen wird, dass früher einmal in verantwortungsloser Art und Weise die nicht mehr neu entstehenden kostbaren Vorkommen von Öl, Gas und Kohle verbraucht wurden, dass man dabei die CO2-Konzentration bis auf 620 ppm ansteigen liess und damit während langer Zeit eine drastische Klimaveränderung mit all ihren Konsequenzen bewirkte. (Heute sind wir bei ca. 390 ppm, der grosse Anstieg auf 620 +- 90 ppm findet erst jetzt statt.)
11. November 2011 um 23:59
Gegen den Klimawandel hilft mehr Kernenergie- mit Schnaps gehts nicht!
12. November 2011 um 09:16
In Finnland zeigt sich zur Zeit, wie die Rettung der Welt à la “Richtig rum” aussehen könnte.
29. November 2011 um 20:29
Finnland baut zwei neue Kernkraftwerke und bildet die Schüler gut aus!
Das hat Zukunft!
Weniger zukunftstauglich ist die Weltuntergangspolitik unserer Classe politque!
Gegen Gratisdrogen und Alternativenergien!
29. November 2011 um 23:45
Finnland kaut immer noch am Neubau in Olkiluoto, der statt 3 deren 6 Milliarden Euro kosten wird und der statt 2012 wohl so um 2016 in Betrieb gehen wird – wenn überhaupt. Gegen dummer Sprüche und für Erneuerbare Energien, die eh bald billiger sein werden als alle fossilen und nuklearen Energieformen.
1. Dezember 2011 um 20:30
Die beiden EPR- Prototypen in Finnland und Frankreich werden mehr kosten und später fertiggestellt werden, als ursprünglich vorgesehen.
Damit bekommen aber nicht die Subventions- Abgreifer einen wettbewerbsvorteil, sondern die Russen mit ihren WWER- Druckwasser- Reaktoren, die innert 5 Jahren in Betrieb gehen und günstig produzieren, wie Referenzanlagen beweisen!
2. Dezember 2011 um 06:15
“Rambo-Putin” lässt einen neuen Reaktor basteln…
Warum floriert die Atomtechnik eigentlich nur in derart *sympatischen” Staatssystemen?
3. Dezember 2011 um 02:48
@Benedikt Jorns:
Mit sicheren Anlagen meinst Du, dass wir dann 20 Jahre länger warten, bis eine hochgeht? Es gibt IMMER ein Restrisiko. Dann nimmt man ganz einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung und kann feststellen wie oft ein AKW hochgeht. Wir es besser wenn es seltener auftritt?
Apropos statisitscher Wahrscheinlichkeitsrechnung. Was passiert mit dem sicheren AKW bei einem Meteoritentreffer? Ja ich weiss, ist selten, aber manche gewinnen auch im Lotto. Oder gar nicht so selten, was ist bei einem Sonnensturm? Wenn die kompletten Transformatoranlagen global wegschmelzen? Unwahrscheinlich? Laut Forschungen an Kernbohrungen im antarkischen Eis konnte man das Carrington Event von 1859 (damals ist das Telegrafennetz weltweit zerstört worden) in den Eisschichten isolieren und hat weiterhin festgestellt sowas passiert am laufenden Band. Alle paar hundert Jahre sogar sehr extrem.
Die Nasa warnt schon lange, es hört nur keiner zu.
http://science.nasa.gov/h…y_noaaprediction.htm
Wie wir von Fukoshima wissen, das schlimmste was einem AKW passieren kann ist ein Stromausfall. Was passiert bei einem globalen Stronausfall? Über Monate?
@Richtig Rum: “Die kann bei uns nicht passieren” Platte brauchst Du jetzt nicht auflegen. Die Schweiz ist nicht auf einem anderen Planeten.
Der “sichere” Atommeiler hat spätestens nach zwei Wochen ohne Verbindung zur Aussenwelt ein Problem. Ohne Strom auch kein Benzin, keine Wartung, kein Personal ja nichteinmal Kommunikation. Hat der sichere Meiler in der Schweiz ein paar Pferde im Stall stehen, damit man per Boten komunizieren kann? Wie ist sichergestellt, dass das Personal dableibt, wenn das globale Geldsystem weg ist, also niemand mehr bezahlt werden kann? Auch in der Schweiz ist der grösste Teil des Geldes Virtuell in Arbeitsspeichern von Computern.
Bei einer solchen Katastrophe haben wir genug zu tun mit dem Erbe der Pertochemie. AKWs können wir da gar nicht gebrauchen.
4. Dezember 2011 um 09:32
Weg mit Chemie und Atom
4. Dezember 2011 um 21:06
Auf Prof. Turtur wurde durch Bonsai im Paralleltread aufmerksam gemacht. Danke Bonsai!
In diesem Zusammenhang möchte ich allen Lesern des Energiedialog nahelegen sich ein kurzes Interview mit Prof. Turtur anzuhören:
http://nexworld.tv/talk-s…nergie-auf-der-spur/
und sich dann Gedanken dazu zu machen, warum 5000 Patente über alternative Stromerzeugung aufgekauft und schubladisiert wurden.