Sommerzeit spart keine Energie
Das letzte Wochenende im Oktober dauert eine Stunde länger. In der Nacht von Samstag auf Sonntag beenden wir jeweils die Sommerzeit und stellen die Uhren um eine Stunde zurück auf Winterzeit. Dass diese Zeitumstellung einen Energiespareffekt hat, wird mittlerweile bezweifelt.
Die Einführung der Sommerzeit hätte eigentlich Strom sparen sollen. Grund für die Massnahme war in vielen Staaten die Energiekrise der Siebzigerjahre. Die Idee einer jährlichen Zeitumstellung ist aber viel älter. Erstmals erwähnt wurde ein Umstellen der Uhren bereits im Jahre 1784 vom Amerikaner Benjamin Franklin. Damals ging es aber noch um den hohen Verbrauch an Kerzen und die daraus entstehenden Kosten.
Dass durch die Zeitumstellung noch heute Energie gespart werden kann, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Experten zufolge wird abends zwar weniger Strom für die Beleuchtung verbraucht, im Gegenzug entsteht aber hauptsächlich im Frühling ein erhöhter Heizbedarf in den Morgenstunden. Negativ wirkt sich in der Sommerzeit auch die Nutzung von Klimaanlagen aus, die an den längeren Nachmittagen und warmen Sommerabenden länger im Betrieb bleiben.
Diese Einschätzungen stützt eine Studie aus den USA. Wissenschaftler haben 2008 nach einer dreijährigen Untersuchung des Stromverbrauchs von 7 Millionen Haushalten im Bundesstaat Indiana festgestellt, dass der Stromverbrauch nach der Zeitumstellung sogar um bis zu drei Prozent anstieg. Die Sommerzeit wurde in Indiana erst 2006 eingeführt. Ähnlich sieht es in Europa aus: Das Deutsche Umweltamt stellte bereits 2005 fest, dass die erwünschten Stromspareffekte mit der Sommerzeit nicht erreicht wurden. Begründung: Die Reduktion des Stromverbrauchs bei der Beleuchtung wird durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch die Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert.
Das Umstellen der Uhren stiess in der Schweiz anfänglich auf grosse Skepsis. 1977 wollte die Schweiz gleichzeitig mit den Nachbarstaaten die Sommerzeit einführen. Vor allem den Bauern ging die Umstellung auf den Wecker und sie sammelten eifrig Unterschriften für ein Referendum. In der Abstimmung wurde das Sommerzeitgesetz verworfen, was die Schweiz zur «Zeit-Insel» innerhalb Europas machte und während eines Sommers zum «Zeitchaos» führte. 1980 verabschiedete das Parlament aber das von der Regierung verlangte Zeitgesetz, worauf die Schweiz 1981 dieselbe Zeitreglung wie ihre Nachbarstaaten übernahm. (scc).


