Kernkraftwerksrevision: Auf Herz und Nieren geprüft
Einmal im Jahr wird ein Kernkraftwerk vom Netz genommen und einer eingehenden Revision unterzogen. Diese Prüfung erlaubt Einblicke in das Innerste des Reaktors.
Tag und Nacht produziert ein Kernkraftwerk Energie. Ununterbrochen läuft im Innern des Reaktors die kontrollierte Kernspaltung ab. Pausenlos rotieren die Stromgeneratoren. Ständig sind Ventile, Leitungen und Behältnisse hohen Drücken und Temperaturen ausgesetzt. Doch einmal im Jahr steht der Reaktor still.
Die Kettenreaktion im Reaktor wird unterbrochen, die Generatoren werden abgestellt, Rohre und Leitungen stehen nicht mehr unter Druck. Während der Revision werden die verbrauchten Brennelemente ausgetauscht und Unterhaltsarbeiten durchgeführt. Dies geschieht meist im Sommer, wenn der Strombedarf geringer ist als im Winter, und dauert drei bis vier Wochen. Während die Maschinen ruhen, bricht um sie herum eine emsige Betriebsamkeit aus. Ingenieure, Handwerker und andere Fachleute nehmen die vielfältigsten Revisionsarbeiten vor. Fachleute suchen die Werkstoffe nach allfälligen Schäden ab. Beschädigte Bauteile werden ausgetauscht und Teile der Anlage modernisiert.
Die Revision eines KKW ist immer eine grosse Herausforderung: Dabei muss die Arbeit von teilweise über tausend Personen so organisiert werden, dass sich diese nicht in die Quere kommen und sich ihre Tätigkeiten in sinnvoller Weise zusammenfügen. Beteiligt ist nicht nur das Personal des Kernkraftwerks, sondern zusätzlich Hunderte von Fachleuten aus aller Welt. Manche sind das ganze Jahr von Kraftwerk zu Kraftwerk unterwegs. Einige haben zeitweise sogar ihre Familie dabei.
Gearbeitet wird rund um die Uhr. Eine Vielzahl von Arbeitsschritten muss minutiös geplant werden. Bei den fünf schweizerischen Kernkraftwerken überwacht das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI die Revision. Die Inspektoren achten darauf, ob die Arbeiten technisch korrekt und in Übereinstimmung mit den Vorschriften erfolgen. Sie beurteilen auch die Kommunikation zwischen den Beteiligten, die bei international zusammengesetzten Teams wesentlich davon abhängt, wie gut man die Sprache der anderen versteht.
Nicht immer verlaufen die Arbeiten perfekt nach Plan. Wenn eine Prüfung Materialfehler zu Tage fördert, wird aufgrund von Sicherheitsanalysen entschieden, ob das betroffene Bauteil noch eine beschränkte Zeit im Einsatz stehen darf oder ob die Anlage erst wieder in Betrieb geht, wenn das Teil ersetzt ist. Dadurch kann die Revision – und damit der kostspielige Unterbruch der Stromproduktion — länger dauern. Doch “Safety first”, gilt beim Kernkraftwerk immer — auch während der Revision. (kzj)
Weitere Beiträge:
- Karin will’s wissen — Kernenergie
- Wie funktioniert ein Kernkraftwerk
- Kernkraft — Energielieferant auf allen Kontinenten
Weiterführende Informationen:
- Sicherheit beim Kernkraftwerk Beznau
- ENSI Themenheft — Revision von Kernkraftwerken
- Ersatzkernkraftwerk Beznau


 
26. Mai 2010 um 15:01
So viel Sicherheit ist beruhigend.
Besser Abfall trennen statt alles verbrennen, um Strom zu gewinnen. PET, Alu, Karton und Papier fürs Recycling, Atom für den Strom!
20. August 2010 um 16:27
Kein effizientes und rationelles Recycling von Sekundärrohstoffen ohne billigen Strom.
Die Maschinen für die Aufbereitung der Wertstoffe brauchen Strom. Umweltfreundlicher Atomstrom ist speziell nachhaltig!