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Landwirt kreiert Vorzeige-Solarpark

13. August 2010 | News | Ausland

Deutschlands grösster Solarpark steht in der südbayerischen Provinz. Die Idee dazu hatte jedoch nicht die Energiebranche, sondern ein Landwirt.

Deutschland sieht sich gerne als Klimaschutz-Lokomotive Europas, obwohl die grösste Volkswirtschaft des Kontinents punkto Stromproduktion alles andere als ein Vorbild ist: 42,9 Prozent des selbst produzierten Stroms stammen heute aus der klimaschädlichen Verbrennung von Kohle. Erneuerbare Energien haben zwar aktuell einen Anteil von 14,8 am deutschen Strommix, allerdings ist die Wasserkraft darin bereits enthalten.

So verwundert es kaum, dass man lange nach Deutschlands grösster Solaranlage suchen muss. Fündig wird man in der 3500 Seelen-Gemeinde Strasskirchen, knapp 60 Kilometer nord-westlich von Passau. Mitten in der Provinz, und trotzdem von gigantischem Ausmass. 135 Hektor misst das Areal der 54-MW-Photovoltaikanlage – so viel wie 190 Fussballfelder. Der 220 Millionen Franken teure Solarpark gehört dem Hamburger Emissionshaus Nordcapital, die Fläche, auf dem er steht,  einem ortsansässigen Multitalent.

Klaus Krinner ist eigentlich Landwirt, wurde Erfinder von Weihnachtsbaum-Ständern mit Pedal-Bedienung und hatte irgendwann eine sprichwörtlich glänzende Idee. Eine der letzten Erfindungen Krinners sind Schraubfundamente – überdimensionale Gewindedübel aus Eisen oder Plastik, mit denen weltweit Solaranlagen befestigt werden. Da lag es nahe, dass der Tüftler selbst mit der Technologie experimentierte. Mit Erfolg: Knapp 280000 Franken verdient Krinner jährlich mit der Verpachtung seines Landes an Nordcapital, die – so verlangte es der findige Landwirt – ihren Firmensitz nach Niederbayern verlegen musste. Seitdem erstrahlt Strasskirchen in einem nie dagewesenen Licht. Nicht nur dank der grössten Solaranlage der Bundesrepublik, sondern auch dank stolzer Einnahmen aus der Gewerbesteuer. (jr)

 

12 Kommentare

  1. … Solarstrom vor allem dank den enormen Subventionen durch die öffentliche Hand. Bei der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion werden dafür die Subventionen heruntergefahren! Die Welt ist geil auf Energie, dafür hungern Millionen!!!

  2. Liebe Schweizer, ich rechne Ihnen mal kurz vor, was hier wirklich an Kosten entstehen. Der Wechselkurs vom Franken zum Euro liegt derzeit bei 1,345 Franken zu 1 Euro. Die Anlage hat eine installierte Leistung von 54.000 Kilowattstunden-Photovoltaik (KWp). 1 KWp produziert im Jahr etwa 800 KWh an Strom. 54.000 KWp * 800 KWh = 43.200 Megawattstunden (MWh) pro Jahr. 1 KWp kostet in dieser Anlage ca. 3000 Euro und jede KWh, die damit produziert wird, wird auf Ackerflächen derzeit mit 25 Eurocent vom Stromabnehmer subventioniert. Eine MWh an Strom, die mit der Anlage produziert wird, kann in Leipzig an der Strombörse für derzeit 40 Euro verkauft werden. Rechnen wir mal alles fix durch.
    a) Die angegebenen Investitionskosten bei 54 MWp sind 54.000 KWp * 3000 Euro gleich 162 Mio. Euro.
    b) Stromproduktion pro Jahr 43,2 Gigawattstunden (GWh), die
    in Leipzig für 43,2 * 40.000 Euro = 1,728 Mio. Euro verkauft werden können
    c) an Subventionen fließen jährlich 43.200.000 * 0,25 ct =
    10,8 Mio. Euro.
    d) die Anlage läuft 20 Jahre und wird dann etwa 864 GWh
    produziert, Strom im Wert von 35 Mio. Euro verkauft und Subventionen in Höhe von 216 Mio. Euro kassiert haben. Der Strom wird also pro MWh nicht wie üblich 40 Euro gekostet haben, sondern bescheidene 290 Euro. Das ist für den Kunden eine wirklich hochrentable, weitsichtige und extrem günstige Art der Energieerzeugung. Würde dieser Strom, was unrealistisch ist, dem Kunden direkt verkauft, würde er statt der heute üblichen 25 ct/KWh gleich 29 ct/KWh bezahlen. Aber in Wahrheit liegt der aktuelle Strompreis beim Endkunden etwa sechsmal höher als in Leipzig am Spotmarkt, ergo wären es keine 29 ct, sondern 1,74 Euro/KWh.
    Der liebe Investor, der in das ganze Projekt etwa 162 Mio. Euro investiert hat, erhält über 20 Jahre ca. 250 Mio. Euro, muss davon 20 * 208.000 Euro = 4,16 Mio. Euro Pacht an den Landwirt bezahlen und macht unter’m Strich eine Bruttorendite von 84 Mio. Euro. Die 84 Mio. Euro beinhalten 19% MwSt. (14 Mio. Euro) und an Gewerbesteuer dürften etwa weitere 5-7 Mio. Euro fließen. Bleibt eine Nettorendite von etwa 63 Mio. Euro bzw. 39% des ursprünglich eingesetzten Kapitels von 162 Mio. Euro. Das bringt ihm 2% Rendite im Jahr. Diese relativ miese Rendite kriegt jeder auf einer Bank für Festgeld. Hier jedoch spielt der Gebührenzahler die Bank für ein Projekt, dass selbst gerade einmal 21% der Investitionskosten erbringen würde, wenn der Strom zu Marktpreisen verkauft werden müsste. Niemand würde einen Verlust von 80% der Investitionskosten als cleveres Geschäft bezeichnen. Für jeden Euro, der auf dem Leipziger Spotmarkt durch diesen Stromerzeuger erwirtschaftet werden kann, gibt der Gebührenzahler generöserweise gut 6 Euro hinzu. Nicht, dass ich dem Landwirt oder dem Investor sein Geschäft missgönne. Aber es wäre ohne diese irrwitzige Subventionierung durch den Gebührenzahler nicht denkbar. Der Depp in dieser Gleichung ist der Gebührenzahler, der gleich von vier Gegnern (Bundesfinanzminister, Gemeindekämmerer, Kapitalgeber und Landwirt) in die Zange und ausgeplündert wird. Liebe Schweizer, machen Sie bloss nicht unseren Fehler nach, solch eine Art Subventionsirrsinn zu etablieren. Wenn Sie fördern wollen, könnten Sie so eine Anlage mit maximal 50% des zu erwartenden Stromgewinns auf dem Strommarkt fördern. Da die Anlage in 20 Jahren 35 Mio. Euro verdienen wird, wären das maximal 17,5 Mio. Euro und nicht jene 216 Mio. Euro, die wir dafür bezahlen. Dann allerdings würden solche Anlagen nie gebaut werden und das ist gut so. Schließlich wird noch überhaupt nicht darüber geredet, was denn die Entsorgungskosten in 20 Jahren sein werden, denn wenn es sich um Dünnschichtmodule handeln sollte (darauf deutet der hohe Preis der Anlage hin), fallen da erhebliche Mengen an Cadmium, Tellur und anderes an, die fachgerecht und teuer entsorgt werden müssen.

  3. Dieser Subventionsirrsinn sollte schlicht verboten werden!

  4. Upjohn: Vorerst vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag! Die Problematik war mir zwar bekannt, doch die genaue Abschätzung ist wertvoll.

    Die fossilen Brennstoffe sind bekanntlich beschränkt. Während die Erdöl- und Erdgasförderung bereits in diesem Jahrhundert bis auf einen ganz kleinen Bruchteil zurückgehen werden, reichen die Kohlevorräte noch einige Zeit ins nächste Jahrhundert. Die erneuerbaren Energien und die Kernenergie müssen zusammen hernach 100 Prozent des Energiebedarfs abdecken. Heute können all diese Energiequellen erst einen ganz kleinen Teil der zukünftigen Energieversorgung befriedigen. Die Nukleartechnologie ist noch in den Kinderschuhen. Erst das direkt spaltbare Uran-235 wird genutzt. Die zukünftigen Brennstoffe Uran-238, Thorium-232, Deuterium (aus Wasser) und Tritium (aus Lithium) werden erst im Laufe dieses Jahrhunderts nutzbar. Die neuen erneuerbaren Energien Windenergie und Fotovoltaik bringen es leider auch erst auf einen mikroskopisch kleinen Anteil. Im hier fortschrittlichen Deutschland deckten sie 2009 zusammen trotz starker Subventionierung nur 1.8% des Gesamtenergiebedarfs ab. 7.58% des benötigten Stroms wurden mit Windkraftanlagen erzeugt. Das entspricht 1.6% des Gesamtenergieverbrauchs. Immerhin bringt dies gut das 7-fache im Vergleich zur Fotovoltaik. Diese deckt nur 1.06% des Strombedarfs ab, das sind 0.2% des Gesamtenergiebedarfs. Der Weg in unsere Energiezukunft ist noch weit und wird von vielen unterschätzt. Es geht heute nicht darum, bereits auf eine in Zukunft tragende Energieproduktion umzustellen. Wir sind erst am Anfang der langwierigen und nicht ganz einfachen Forschung und Entwicklung.

  5. @jorns: keine Ursache, gern geschehen. Im Hinblick auf den Abdeckungsgrad von Photovoltaik/PV und Windkraft/WK in der BRD möchte ich auf http://bdew.de/bdew.nsf/i…E&ccm=450040020 verweisen. Ich nehme an, Sie beziehen sich mit den von Ihnen mitgeteilten %-Sätzen auf die Schweiz, denn für die BRD wären andere Sätze (1% PV, ca. 6-7% WK) anzusetzen. Was in der Renewable-Diskussion häufig untergeht, ist der bislang bereits etwas höher als der WK-Anteil in der BRD anzusetzende Biomasse/-gas/ und Müllverbrennungs-Anteil, der in der oben angegebenen URL unter “sonstiges” angesetzt ist (ca. 9%). Ich denke, hier könnte in der Schweiz ggf. noch Potential bestehen. Die Fusionstechnologie (schon in meiner Kindheit hieß es, wir hätten im Jahr 2000 Strom aus dergleichen Energiequellen und heute dauert es immer noch, wie damals, 30-50 Jahre) ist aktuell noch Zukunftsmusik. Wir holen aktuell 16% der Energie heraus, die wir allein für die Zündung investieren müssen. Ich verspreche mir aus einer Koppelung von Blaualgen-gestützten Biomassekraftwerken, die 25mal effizienter Biomasse erzeugen als dies normale Mais- oder Gras-Bio-Reaktoren tun können, einen deutlichen Fortschritt und dies wesentlich früher als bei der Fusionstechnik. In Sachen Urantechnologie halte ich es derzeit für unrealistisch, anzunehmen, dass die Förderung mit dem Bedarf schritthält. Lediglich Russland (siehe Iran) exportiert in relevantem Maße per Brüter erzeugtes Uran, ein Viertel des Bedarfs stammt aus den alten Uran-Atombomben des Kalten Krieges.
    Brüter-Technologien zur Bereistellung von Spaltbrennstoff in AKW’s halte ich politisch nicht für durchsetzbar. Ich glaube nicht, dass die Atomkraftwerke, selbst wenn man Uran aus Meerwasser gewönne, was offenbar eine interessante, aber sehr teure Alternative ist, eine dauerhafte Alternative sind. Die Fusionswirtschaft, sollte sie jemals kommen, benötigt erhebliche Mengen an Helium-3, da mit der Deuterium-He3-Fusion die Energiegewinnung bei niedrigeren Temperaturen stattfinden kann und effektiver ist als die Tritium-Deuterium oder gar die Deuterium-Deuterium-Fusion. Problem: H3 gibt es kaum auf der Erde, sondern primär auf dem Mond. Deshalb auch die Raumfahrtprojekte zur Mond-Station in den USA gemeinsam mit Russland. Und diese Programme sind berechtigerweise verschoben worden, weil sich der Fusionsfortschritt beim Bau des TOKAMAK in Cadarache/Frankreich doch mehr als zur langsam einstellt. Was übrigens die Schweiz analog zur BRD durch Forschungsgelder fördern sollte, wären effektive Strom-Massenspeicher. Hier bastelt man nämlich durchaus schon an unterschiedlichen Alternativen. http://bmu.de/files/pdfs/…taet_wasserstoff.pdf
    Ohne Derartiges halte ich Windkraft u.ä. als eher irrelevante Alternativen, da wie weitestgehend ineffektiv sind. Wenn es der Schweiz gelänge, mit extrem effizienten Windkraftanlagen den Stromeinkauf für die Pumpen der Speicherkraftwerke zu ersetzen, dann wäre dies auch eine Alternative. Nur sehe ich hier keine solchen WK-Anlagen.
    Nischen sind Osmosekraftwerke wie jenes, die in Norwegen (Tofte, Oslofjord) als Modellprojekt laufen. Diese erbringen aber gerade mal 3 Watt pro m2 Austauscherfläche. Aber wie wir alle wissen, hat die Schweiz eine riesige Küstenlinie mit dem Mittelmeer ;)

  6. Die Kernenergie muss richtig entwickelt werden.
    Schnelle Brüter, Zigarrenreaktoren, Salzreaktoren, Beschleunigerreaktoren, alles schöne und gute!

  7. Ja, lassen wir die doch erst mal richtig entwickeln und dann schauen wir mal!
    Was der Grössenwahn kostet, wenn man glaubt sich an hochtechnologischen Entwicklungen beteiligen zu müssen, hat die Schweiz eigentlich schon bei den heute ausgemusterten Mirageflugzeugen erfahren.
    Wer aus Fehlern nichts lernt, wird wohl dumm enden.

  8. Kein LAnd kann sich das Abseitsstehen bei der Kernenergie leisten!
    Die Thoriumnutzung ist ein Thema für Jahrhunderte, es geht um eine schier unerschöpfliche Energiequelle!

  9. IMHO (in my humble opinion) wollte er an den Anfang seines Textes setzen, aber er hat es bis jetzt jedesmal richtig rum vergessen.

  10. @richtig rum: Thorium kann als Basis für Atomspaltung verwendet werden, bedarf aber einer sog. Hochtemperatur-Reaktortechnik, die bekanntlich nicht anwendungsreif entwickelt ist. Wie Sie vielleicht wissen, haben wir in Hamm-Uentrop den THTR-300 Forschungsreaktor stehen, der 1983 in Betrieb genommen und wegen seines wahnsinnig tollen und absolut hochwirtschaftlichen Systems auch schnell wieder 1989 still gelegt wurde. Falls Sie sich noch erinnern sollten: Die Absorberstäbe, mit denen man die Kernspaltung in den Thorium-Kugeln steuern konnte, brauchen etwa 1000 mal häufiger als in normalen Kraftwerken. Es gab wegen der hohen Betriebstemperaturen und -drücke (40 bar) Rohrbrüche und der Beton wurde unter dem Reaktor zu heiß. Das ganze Teil hat während seiner paar Jahre im Betrieb gerade mal (basierend auf heutigen Preisen) Strom im Wert von 115 Mio. Euro produziert. Angesichts der etwa 2 Mrd. Euro direkter Subventionen für den Bau des Reaktors war das für den Steuerzahler und Stromkunden ein total gutes Geschäft ….
    Aber mal unter uns, Richtig rum: machen Sie eigentlich wirklich nur undurchdacht marktschreierische Lobbyarbeit für überteuerte und ineffiziente AKW-Modelle oder rechnen Sie vorher auch mal, bevor Sie etwas schreiben?

  11. Proletarier müssen nicht rechnen können, die kriegen ihre Lohntüte auch ohne diese Kunst!

  12. Die Neger in Südafrika arbeiten an der ursprünglich deutschen Kugelhaufen- Reaktor- Technologie, ebenso die Chinesen. Mit Sicherheit rechnen die Chinesen besser als die Deutschen.
    Die Inder betreiben bereits einen Schnellen Brüter und bauen in Tamil- Nadu einen weiteren zur Nutzung des Thoriums.
    Es ist Zeit, dass Deutschland sich wieder auf seine Werte besinnt.

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