Frage von Beat Waldmeier: Könnten Sie mir sagen, wieviele Haushalte man mit einer Gigawattstunde Strom versorgen kann?
Antwort: Bei den Verbrauchswerten der einzelnen Haushalte gibt es – abhängig u.a. von Wohnfläche, Personenzahl und elektrischen Einrichtungen und Geräten – markante Unterschiede. Man muss also bei diesen Berechnungen Durchschnittswerte zu Hilfe nehmen. In der Schweiz ist dabei die Annahme eines durchschnittlichen Jahresverbrauchs von rund 5000 kWh pro Haushalt üblich.
Somit würde eine GWh (= 1 Mio. kWh) reichen, um ca. 200 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.
Interessant übrigens, dass der durchschnittliche Stromverbrauch pro Kopf höher liegt als derjenige eines Haushalts, nämlich in der Schweiz bei rund 7800 kWh. Dies deshalb, weil Strom ausser im Haushalt ja auch in Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben, im Verkehr und im öffentlichen Bereich verbraucht wird.
Frage von Martina Jossen: Wie weit kann der Beitrag der Wasserkraft an der Schweizer Stromversorgung noch gesteigert werden? Wie ist die momentane Situation? Welche Faktoren verhindern einen noch stärkeren Ausbau?
Antwort: Die Wasserkraft ist seit jeher die zentrale Säule der Schweizer Stromproduktion. Heute beträgt ihr Anteil beinahe 60 Prozent.
» weiter
Frage von Roger Ramsauer: Ich lese, dass es in Frankreich einen Versuch gibt, AKWs zu bauen, die mit Kernfusion statt mit Kernspaltung funktionieren. Dabei wären die Nachteile der heutigen AKWs praktisch weg. Stimmt das? Und wenn ja, warum baut man dann noch AKWs nach der alten Technik?
Antwort: Tatsächlich läuft die Forschung und Entwicklung im Bereich der Kernfusion auf vollen Touren. Die Kernfusion ahmt den in der Sonne ablaufenden Umwandlungsprozess nach, indem die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium unter Freisetzung großer Mengen Energie zu Helium verschmolzen werden. Dieser Prozess soll es ermöglichen, aus einem Liter Meerwasser so viel Energie zu gewinnen wie aus einem Liter Erdöl. Die Fusionsenergie ist, ebenso wie die erneuerbaren Energien und die Energie aus der Kernspaltung, eine der drei Alternativen zu fossilen Brennstoffen.
Mit dem so genannten Projekt ITER (lat. “der Weg”) arbeiten praktisch alle grosse Industrieregionen bzw. Staaten – Europa, Japan, USA, Russland, China, Süd-Korea und Indien – gemeinsam daran, einen ersten Experimentalreaktor zu bauen. ITER soll zeigen, dass es physikalisch und technisch möglich ist, durch Kernverschmelzung Energie zu gewinnen. Der Bau des Reaktors bei Cadarache in Südfrankreich soll 2018 abgeschlossen sein.
ITER ist mit seinem veranschlagten Gesamtpreis von rund 10 Milliarden Euro eines der teuersten wissenschaftlichen Experimente weltweit. Bis konkrete Resultate vorliegen, wird es noch viele Jahre dauern.
Frage von Emmanuel Ullmann: Verschiedentlich habe ich auf Werbeplakate gesehen, dass Auto Elektrizität “tanken”. Da die elektrischen Autos in absehbarer Zeit kommen, wollte ich fragen, ob solche Tankstellen geplant sind und wo ich ergänzende Informationen hierzu erhalten kann.
Antwort: Die erwähnte Werbung nimmt den Trend auf, wonach Elektromobilität künftig einen wesentlichen Teil am Stromverbrauch der Schweiz haben wird. Es wird damit gerechnet, dass die Elektroautos ab 2030 einen Anteil von 50 % oder mehr einnehmen können.
Das ist jedoch noch Zukunftsmusik. Derzeit verkehren in der Schweiz lediglich ca. 1400 Elektroautos. Stromtankstellen sind hingegen schon etliche in Betrieb. Infos zum Tankstellennetz gibt untenstehende Website.
Weiterführende Informationen:
Frage von Philipp Bachmann: Wie betrachtet man die Uran-Lieferanten. Woher kommt das Uran? Unter welchen Bedingungen wird es extrahiert? Gibt es Auswirkungen auf die Umwelt und die Bevölkerung in den Abbaugebieten?
Antwort: Bei einem Grossteil des von Axpo verwendeten Materials handelt es sich um rezykliertes Uran aus wiederaufbereiteten Brennelementen. Axpo legt Wert darauf, dass die Lieferanten von Kernbrennstoffen bei der Beschaffung und Verarbeitung des Brennstoffs die gesetzlich vorgegebenen Sicherheits- und Umweltstandards einhalten.
Ein geringer Natururan-Anteil wird in Kasachstan abgebaut. Dort wird das Uran mittels des „Leaching-Verfahrens“ gewonnen. Bei diesem Verfahren wird Säure in das Gestein gepumpt, Uran abgeschieden und verflüssigtes Gestein wieder zurückgepumpt. Es fallen praktisch weder Stäube noch so genannte Tailings an.